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Exkurs Trinktypen  




Wer ist besonders gefährdet, betrunken Auto zu fahren?
Wie kann man Alkoholkonsum und Autofahren wirksam trennen?
Die Verkehrspsychologin Dr. Jacqueline Bächli-Biétry
analysiert Hintergründe und zeigt Lösungsansätze auf

Alkoholisierte Lenkerinnen und Lenker im Strassenverkehr stellen ein grosses Verkehrssicherheitsproblem dar, denn bei einem grossen Teil der schweren, bzw. tödlichen Strassenverkehrsunfälle ist Alkohol im Spiel.
Wer aber ist besonders gefährdet, betrunken Auto zu fahren? Es muss grundsätzlich unterschieden werden, zwischen dem
  • fahrenden Trinker (Personen, die alkoholabhängig sind und dennoch fahren)
    und dem
  • trinkenden Fahrer (Personen, die Alkohol missbrauchen und dennoch fahren)

Der Alkoholmissbrauch stellt eine Vorstufe der Abhängigkeit dar. Die Übergänge sind fliessend. Treffen mindestens drei der folgenden Kriterien zum gleichen Zeitpunkt zu, so haben wir es mit einer Alkoholabhängigkeit zu tun.

  • Starker Wunsch nach Alkohol («Alkohol beherrscht die Gedanken»)
  • Getrunkene Alkoholmenge ist nicht mehr kontrollierbar («nicht mehr aufhören können»)
  • Vorkommen von Entzugssymptomen («Zittern am Morgen»)
  • Entwicklung einer Gewöhnung («immer mehr brauchen»)
  • Ausrichtung des Lebens auf den Alkoholkonsum («Abbruch sozialer Kontakte»)
  • Weitertrinken trotz schwerer psychischer, körperlicher und sozialer Folgen

Es ist völlig klar, dass Alkoholabhängige ein hohes Sicherheitsrisiko im Strassenverkehr darstellen. Allerdings sind sie nie so häufig wie die zweite Gruppe der trinkenden Fahrer, welcher wir uns nun zuwenden wollen:
Meistens wird die Meinung geäussert, dass in einem völlig «normalen» Ausmass getrunken würde. Leider ist es nur so, dass auch die sogenannt «normalen» Alkoholkonsumenten zumindest zeitweise Gefahr laufen, angetrunken Auto zu fahren, denn dieses «normale» Trinken nimmt schneller als man denkt problematische bzw. missbräuchliche Ausmasse an. Die folgenden Ausführungen sollen Ihnen dabei helfen, ihr Trinkverhalten bzw. ihre Trinkgewohnheiten kritisch zu hinterfragen und allenfalls zu ändern.
Übrigens ist es bekannt, dass Personen mit einer Tendenz zu Suchtproblematiken stark dazu neigen, ihre Verhaltensweisen beschönigend oder verharmlosend darzustellen bzw. gar nicht wahrzunehmen (in der Psychologie wird in diesem Zusammenhang von «Verdrängung» gesprochen).

Testen Sie Ihre Suchtgefährdung
Stellen Sie sich die folgenden Fragen zur Abklärung ihrer Suchtgefährdung (Fragenkatalog von Feuerlein, 1976). Das Ganze bringt nur etwas, wenn Sie wirklich versuchen, ehrlich zu sein. Wenn Ihnen die Beantwortung der Fragen schwer fällt, dann fragen Sie doch einfach Ihre Bezugspersonen, beispielsweise Ehefrau oder Freund.

1. Leiden Sie in letzter Zeit häufiger an Zittern der Hände? Ja Nein
2.

Leiden Sie in der letzten Zeit häufiger an einem Würgegefühl (Brechreiz), besonders morgens? Ja Nein
3.

Wird das Zittern oder der Brechreiz besser, wenn Sie etwas Alkohol trinken? Ja Nein
4. Leiden Sie in letzter Zeit an starker Nervosität? Ja Nein
5. Haben Sie in Zeiten erhöhten Alkoholkonsums weniger gegessen? Ja Nein
6. Hatten sie in letzter Zeit öfters Schlafstörungen und Alpträume? Ja Nein
7. Fühlen Sie sich ohne Alkohol gespannt und unruhig? Ja Nein
8.

Haben Sie nach den ersten Gläsern ein unwiderstehliches Verlangen weiter zu trinken? Ja Nein
9. Leiden Sie an Gedächtnislücken nach starkem Trinken? Ja Nein
10. Vertragen Sie zur Zeit weniger Alkohol als früher? Ja Nein
11.

Haben Sie nach dem Trinken schon einmal Gewissensbisse (Schuldgefühle) empfunden? Ja Nein
12.

Haben Sie ein Trinksystem versucht (z. B. nicht vor bestimmten Zeiten zu trinken)? Ja Nein
13. Bringt Ihr Beruf Alkoholtrinken mit sich? Ja Nein
14.

Hat man Ihnen an der Arbeitsstelle schon einmal Vorhaltungen wegen Ihres Alkoholtrinkens gemacht? Ja Nein
15. Sind Sie weniger tüchtig, seitdem Sie trinken? Ja Nein
16.

Trinken Sie gerne und regelmässig ein Gläschen Alkohol, wenn Sie alleine sind? Ja Nein
17.

Haben Sie einen Kreis von Freunden und Bekannten, in dem viel Alkohol getrunken wird? Ja Nein
18.

Fühlen Sie sich sicherer, selbstbewusster, wenn Sie Alkohol getrunken haben? Ja Nein
19.

Haben Sie zu Hause oder im Betrieb einen kleinen, versteckten Vorrat mit alkoholischen Getränken? Ja Nein
20.

Trinken Sie Alkohol, um Stresssituationen besser bewältigen zu können oder um Ärger und Sorgen zu vergessen? Ja Nein
21.

Sind Sie oder / und Ihre Familie schon einmal wegen Ihres Trinkens in finanzielle Schwierigkeiten geraten? Ja Nein
22.

Sind Sie schon einmal wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss mit der Polizei in Konflikt gekommen? Ja Nein


Auswertung: Jede mit «ja» beantwortete Frage erhält einen Punkt, die Fragen 3,7,8 und 14 erhalten je 4 Punkte. Bei einer Gesamtpunktzahl von 6 und mehr liegt eine Alkoholgefährdung vor

Was für ein Trinktyp bin ich?
In der älteren medizinischen Literatur (Jellinek, 1951) werden fünf Trinktypen unterschieden. Bei all diesen Trinktypen ist das Risiko als hoch zu bewerten, dass sie alkoholisiert Auto fahren. Die Typen unterscheiden sich einerseits hinsichtlich des Ausmasses und der Art ihrer Abhängigkeit (geistig oder sogar körperlich), andererseits hinsichtlich der Trinkmotive und der Trinkumstände.

Wenn Sie die oben stehenden Fragen offen beantwortet haben, wird es Ihnen auch leicht fallen, sich einem der Trinktypen zuzuordnen. Sie werden auch feststellen, dass das von vielen Personen als normal empfundene Trinkverhalten im medizinischen und psychologischen Sinne durchaus als problematisch oder missbräuchlich zu werten ist und deshalb geändert werden sollte.

Konflikt- und Kummertrinker: Bei diesem Typus handelt es sich um Personen, welche insbesondere in schwierigen Lebenslagen vermehrt Alkohol konsumieren (Konflikttrinker). Es kann durchaus möglich sein, dass diese Personen eine zeitlich begrenzte Abhängigkeit entwickeln. Wesentlich ist bei diesem Typus, dass ihm offensichtlich in schwierigen Lebenslagen keine andere Strategie zur Verfügung steht und dass die dämpfende und entspannende Wirkung des Alkohols gesucht wird. Alphatypen trinken sowohl alleine als auch in Gesellschaft.

Gelegenheitstrinker: Bei diesen Personen handelt es sich um die sogenannten Gelegenheitstrinker, welche dann aber übermässig, d.h. bis zum Rauschzustand Alkohol konsumieren. Dieser Trinktyp findet sich gehäuft bei Jugendlichen; diese trinken in der Gruppe häufig an Wochenenden grosse Mengen von Alkohol. Die Gefahr von Trunkenheitsfahrten ist hier besonders gross, da in der Regel auswärts getrunken wird.

Gewohnheitstrinker: Bei den Gewohnheitstrinkern handelt es sich um Personen, welche mit einer hohen Regelmässigkeit Alkohol konsumieren, sich also einen permanenten Alkoholspiegel aufbauen. Wenn diesen Personen der Alkohol nicht vorenthalten wird, dann sind sie in ihrem Verhalten eher unauffällig. Diese Personen sind vor allem als körperlich abhängig zu bezeichnen.

Quartaltrinker: Die sogenannten „Quartalsäufer“ zeichnen sich dadurch aus, dass längere Zeiten der totalen Abstinenz von Phasen völlig unkontrollierten Trinkens unterbrochen werden. Diese Phasen sind durch einen totalen Kontrollverlust geprägt.

Psychisch und physisch abhängige Trinker: Bei diesen Personen handelt es sich um die in der Einleitung beschriebenen alkoholabhängigen Personen, welche täglich grosse Mengen von Alkohol zu sich nehmen und diese Menge kontinuierlich steigern müssen. Schwere körperliche und seelische Schäden sind die Folge dieses Verhaltens.


Einige Tipps, wie Sie es in Zukunft vermeiden können, angetrunken zu fahren:

  • Lassen Sie Ihr Auto zuhause oder organisieren Sie einen Transportdienst (nach dem Motto, der Fahrer/die Fahrerin bleibt nüchtern), wenn Sie beabsichtigen, im Ausgang Alkohol zu konsumieren.
  • Kontrollieren Sie Ihre Trinkmenge im Ausgang, indem Sie höchstens ein Glas pro Stunde trinken, indem Sie vermeiden, dass Ihnen nachgeschenkt wird und indem Sie nicht ausschliesslich alkoholische Getränke trinken, sondern mit alkoholfreien Getränken abwechseln.
  • Trinken Sie nie auf nüchternen Magen Alkohol; die Gefahr, dass Sie dann die Kontrolle über sich verlieren, ist dann noch viel höher!

Und wenn Sie einmal angetrunken im Ausgang sind und das Auto dabei haben, geben Sie die Autoschlüssel einer Vertrauensperson und/oder nehmen Sie ein Taxi, das ist auf jeden Fall billiger, als betrunken einen Unfall zu verursachen…